Holgoria - Blutbrueder
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Liebe auf den ersten Blick
 
In der Hängematte herrschte sowohl Aufruhr als auch Erleichterung, denn der gemeine Dieb des Schatzes ward endlich gefasst. Nach einer erschwerlichen Jagd und etlichen Opfern unter des Königs Häschern saß der Lump nun im Kerker und ward auf Sir Tobys Geheiß permament gesperrt.
 
Kathi Sosse kam gerade mit etwas Süßem aus der Küche und brannte förmlich darauf, den Gefangenen zu sehen, über den sich der Hof nun das Maul zerriss. Ein Riese sollte er sein, mit einer Hand soll er zwei Mann zerquetscht haben, und sein Brüllen soll die Erde erzittern lassen...
Die Wachen vollführten eine Welle der Verbeugung, als die Prinzessin die Gänge entlang schritt, während sie die Reste ihrer Köstlichkeit von den kleinen Fingern leckte. 
 
Je tiefer sie gelangte, umso häufiger wurden die Wachen. Als sie im Kellergewölbe der Burg angekommen war, versperrten ihr die Ritter den Weg. Ein unscheinbarer junger Mann kam auf sie zu, wie aus dem Nichts löste er  sichaus den Schatten. Er trug keine Rüstung, schien sie auch nicht zu brauchen. Seine Augen blickten scharf wie die eines Adlers, er trug ein schwarzes Hemd, eine graue Hose und robuste Stiefel, zweiffellos Geschenke des Königs. Sie erinnerte sich an seinen Namen...
"Ram Nip, Milady," sprach der junge Edelmann, und mit diesen Worten verbeugte er sich so fließend, als bestünde er aus Wasser, "ich fürchte ich kann Euch den Weitergang nicht gestatten, und muss Euch bitten, auf Eure Gemächer zurück zu kehren, Prinzessin."
Kathi mochte den Kerl nicht, nein, ganz und gar nicht. Sie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und reichte ihm bis zur Brust. "Ich muss Euch wohl nicht daran erinnern, wer ich bin, und wer mein geliebter Onkel ist, Herr Nip! Ich verlange, den neuen Gefangenen zu sehen!"
"Nun gut. Wenn das Euer Wunsch ist. Bitte." Mit einem Seufzen machten Ram und die Wachen Platz, öffneten das schwere Gittertor und Kathi wurde mit jedem Schritt mehr bewusst, dass die armen Hunde, die ihrem lieben Onkel Böses wollten, hier permanent gesperrt waren, sie niemals wieder das Tageslicht erblicken würden... Ihr lief bei diesem Gedanken ein Schauer über den kleinen Rücken.
 
Eine weitere Wache empfing sie. Der Mann war kräftig, aber kaum größer als sie. Mit einer leichten Verbeugung stellte er sich vor. "Milady, ich bin Barnie. Wie Ihr euch sicher vorstellen könnt, bekommen wir hier unten nicht oft Besuch von..."
Sie unterbrach ihn mit einem königlichen Wink, den sie sich nur allzu oft bei ihrem geliebten Onkel abgeschaut hatte. "Bringt mich einfach zu ihm."
 
Barnie schluckte, deutete abermals eine hastige Verbeugung ab, wandte sich um und führte Kathi Sosse in die Tiefen des Verließes. Überall sah sie rostige Gitterstäbe, schmutzige Hände reckten sich vergeblich nach ihr, und von allen Seiten drangen Schreie und Stöhnen an ihr kleines Ohr... bis es stiller wurde. Schließlich wurde es so still, dass der Klang ihres schlagenden kleinen Herzens und das Prasseln der Wandfackeln die einzigen Geräusche wurden. Als hätten die anderen Gesperrten... Angst vor dem, was oder wer dort unten lauerte...
"Dort vorn." Mehr sagte Barnie nicht. 
 
In Kathis kleinem Herzen fochten nun zwei Giganten eine Schlacht um die Vorherrschaft aus, der eine hieß Furcht, der andere Neugier. Letzter siegte schließlich... und sie trat vor, bis sie vor der lang ersehnten Zelle stand.
 
"Hi ^^, ich bin Kathi, und du?"
Das Knistern der Fackeln übertönte die Antwort, sofern es eine gab.  Hatte sie etwas falsches gesagt? Sie versuchte es ein zweites Mal. "Seid gegrüßt, auch wenn du meinen lieben Onkel bestohlen hast."
Ein Schatten regte sich im Halbdunkel der massiven Zelle. Die Wandfackel hinter Kathi schien für einen Moment aufzuflackern, als der Schatten sprach: "Prinzessin. Lasst mich Euer Gesicht sehn."
 
Kathi schluckte und trat vor.
"Näher bitte."
Noch einen Schritt.
"Näher."
Nun stand sie direkt vor den dicken rostigen Gitterstäben, die sie vom gefährlichsten Mann des Reiches trennte.
 
"Danke." In einem Augenschlag erschien das Gesicht des Fremden direkt vor ihr, auf der andern Seite des Gitters. Kathi schrak zurück. "Entschuldigt."
"Ich... bin hier um Euch zu sehen. Um von Euch zu lernen." Für den gefährlichsten Mann des Reiches sah er gar nicht mal so übel aus, fand die kleine Monarchin.
"Der König muss fürchterlich beschäftigt sein, wenn er seinen Nachwuchs schickt, um mich auszuhorchen." Der Dieb in Kutte trat nun ebenfalls zurück, ein giftiges Lächeln verzog seine Mine.
"Ich... hatte gehofft, du sagst mir wo der Schatz ist, damit Kollomon wieder ganz der Alte wird und..."
Schallendes Gelächter zerfetzte die Stille im Verließ regelrecht. "Ganz der Alte! Das ist wirklich gut!" Er wurde schlagartig wieder ernst. "Vergaß ich, mich vorzustellen? Yoshua, zu Euren Diensten." Irgendwie vergaß er an dieser Stelle, sich zu verbeugen.
 "Nun mein Herr," Kathi kämpfte um ihre Fassung, "wo ist Der letzte Nerv?"
Die Antwort war erschütternd einfach. "Ich weiß es nicht. Keine Ahnung, muss ihn verloren haben auf der Flucht..." Für einen Moment schien der Dieb in Gedanken Zeit und Ort des Verlustes gefunden zu haben...
 
"SAG ES MIR!" platzte es aus Kathi heraus. "Sags mir einfach!"
"Aber aber, dabei hast du doch so gut angefangen... Vertrauen erwecken, Höflichkeit, Geduld... und jetzt das. Vielleicht interessiert es das Volk, dass ihr nicht wirklich Prinzessin seid. Ihr könnt tun, was Ihr wollt... Milady... aber die gewöhnliche Herkunft dringt Euch aus sämtlichen Poren..."
"Du siehst eine Menge. Siehst du auch, wo der Schatz ist?"
 
Nun war es wieder still. Feuer prasselte, und hin und wieder war das Trippeln von Rattenfüßen zu vernehmen. Bis...
"Nun." 
"Ja?"
"Manchmal findet alles seinen Platz von selbst. Und nun... geht."
 
Sie war enttäuscht. Von diesem Mann konnte sie nichts lernen. Aus dem Weg nach draußen fragte der Wächter Barnie: "Geht es Euch gut?"
"Ja... "
Kathi musste so in Gedanken versunken zurück gelaufen sein, dass sie sich plötzlich vor der Burg wiederfand - im strömenden Regen.
 
"Manchmal findet alles seinen Platz von selbst..." hörte sie sich sagen... und blickte hinauf zu den dunklen Wolkenbergen, wo eine einzelne Krähe ihre Kreise zog.



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