Holgoria - Blutbrueder
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Schatten, erwache!
 
Sie fand das gar nicht lieb und flauschig. Ihre Grabräuberpuppe lag nutzlos in der Ecke. Kathi Sosse saß auf ihrem rosa Bettchen und starrte Löcher in die Luft. Fast kam es ihr vor, als bräche der Boden unter ihr weg, und sie würde fallen. Genau jener Traum hatte sie aufgeschreckt. Denn war war mitten in der Nacht in Holgoria. 
So saß sie dort. Kein Laut drang an ihr Ohr. Sanftes Licht von den Kerzenhaltern erhellte ihr Gemach gerade gut genug, damit es sich an den Goldvertäfelungen brach und sonst lustige Muster auf Wände, Boden und Decke malte. Doch Kathi war nicht lustig zu Mute. Denn ihr geliebter Onkel, der Sanftmütige, war seines Letzten Nerves beraubt worden.
Nun war er ein ganz anderer Mensch. Ein Mensch, den die kleine Prinzessin nicht mehr kannte.
 
Sie durfte das nicht zulassen. Dieser böse Henker Orkus flüsterte ihrem Onkel immerzu teuflische Dinge zu, und wenn das so weiter ginge, wer weiß, wozu ihr einst geliebter Onkel noch im Stande war!
 
Also zog sich Kathi ihren plüschnen Schlafmantel über und eilte durch die dunklen verlassenen Korridore der Hängemattenfeste. Selbst um diese Zeit hätten Wachen hier und dort stehen und sich ehrfürchtig vor ihr verbeugen sollen, doch es schien, als sei die gesamte Feste verlassen. Sie begann zu rennen, verlor ihre Pantoffeln, ihre blanken Füße platschten schneller und schneller über den kalten Steinboden...
... bis sie schließlich die Gemächer Kollomons erreicht hatte. Erstaunlicherweise fehlten auch hier die Wachen. Ohne anzuklopfen stürmte Kathi in den Saal, ins Schlafzimmer des Königs...
"Onkel... Onkel Kollomon.." keuchte sie außer Atem - und hielt inne. Etwas Warmes berührte ihre Füße. "AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!" Blut!
Über dem Bett ihres Onkels beugte sich jene Gestalt, die sie so sehr verabscheute und vor der sie ihn eigentlich warnen wollte.
"Orkus, was habt Ihr getan!"
Der Fürst von Mordoria gewahrte sie, drehte ganz langsam den Kopf zu ihr und flüsterte durch seine schwarze Ledermaske: "Prinzessin. Ihr seid noch auf? Zu solch später Stunde? Kommt, ich lasse Euch in Eure Gemächer zurück..."
"Ihr seid ein böser, böser, Mann!" Kathi schossen die Tränen in die Augen. "Mein Onkel... was habt Ihr..." 
"Aber aber." Orkus kam langsam und bedacht auf sie zu, den Dolch hatte er immer noch in der Hand. "Bleibt ganz ruhig, kleine Prinzessin. Ihr werdet ihm gleich folgen... "
Die Waffe raste auf sie zu und...
 
... sie saß schreiend in ihrem Bettchen. "Was? Onkel?" stieß sie aus. Ihre Füße sauber, ihr Kleidchen unbefleckt. Was für ein schlimmer Alptraum. In dem Moment ließ sie ein Klopfen zusammenzucken.
Die Magd trat ein und warf sich förmlich auf die Matraze. "Milady Sosse! Ich hörte Euch schreien und..."
"Es war nur ein Alptraum. Ein sehr böser Alptraum. Ihr könnt gehn. Nein. Wartet. Bringt mich bitte zu meinem Onkel. Ich glaube, er braucht jetzt meinen Beistand."
Die Zofe ließ sich ihre Verwirrung nicht anmerken, verbeugte sich und gehorchte.
 
Diesmal waren die Wachen da, salutierten und grüßten die kleine Thronerbin freundlich, selbst um diese Zeit bewahrten sie Haltung. 
Vor der Pforte zum Schlafgemach ihres Onkels fasste Kathi die Dienerin bei der Hand. "Mein Onkel." Sie schluckte. "Er braucht mich." Sie klopfte.
Zusammen traten die beiden Damen ein. Der Boden war sauber , und Kollomon richtete sich verschlafen auf und entzündete die Kerze neben seinem Bett.
"Kindchen, was hast du denn? Wie siehst du denn aus? Hast du geweint? Komm her, Kleines. ... Ihr dürft gehn."
Die Zofe verbeugte sich und verließ das Zimmer.
 
"Onkel, ich..."
"Was denn, Kathi?" Plötzlich schien das große, runde Gesicht ihres Onkels wieder das zu sein, was sie als Mädchen so geliebt hatte. Tiefe Falten teilten ein besorgtes Antlitz eines Mannes von Welt, in seinen kleinen liebevollen Schweinsaugen lag Anteilnahme.
"Ich habe geträumt, der Henker hätte dich ermordert. Weißt du. Ich fürchte sehr um dich. Wer bleibt mir denn noch, wenn nicht du? Bitte. Ich.."
Er nahm sie in den Arm. Drückte sie. Ließ sie seine Wärme spüren. 
Kathi war endlich froh, dass das Grauen ein Ende hatte. Sie hatte ihren Onkel wieder, und alles war wieder lieb und flauschig.
 
 
Eine Weile saßen sie so da. Doch plötzlich wurde die Burg schwer erschüttert.
"Kind, versteck dich unterm Bett! Ein Angriff. WACHEN! WACHEN! ZU DEN WAFFEN!"
Kathi verkroch sich unter der große, massive Gemach ihres Onkels und sah zu, wie er aufstand, zur Tür ging und die Wachen empfing, die aufgeregt, nein, aufgelöst von einem Angriff sprachen.
 
Der obere Teil des Zimmers, nein, der Feste, wurde... zerfetzt. Sie standen in einem Sturm, der alles mit sich riss, Fackeln, Steine, Möbel, Wachen... Kollomon versuchte sich dagegen zu werfen, wurde jedoch ebenfalls erfasst und fort geschleudert wie ein Blatt im Winde.
Kathi wollte aufstehen und ihm nach... und dann sah sie... es.
 
Ein Monster. Eine Krähe, groß wie eine ganze Stadt, ragte über ihr auf und schlug mit Flügeln, die den Himmel verdunkelten, ihr Gefieder schien lichterloh in Flammen zu stehen...
Der gewaltige Schnabel soß ihren Onkel auf wie Staub, dann verschwand das Bett über ihr im Nichts, fauliger Atem, der aus der Hölle selbst stammen musste...
KOLLOMOOOOON donnerte das Ungetüm... und ihre Welt wurde zerrissen.
 
Langsam, ganz langsam, rauschte das Wasser an einem Strand. Sie hörte Möven. Wellen, die auf die Küste trafen.  Sie spürte etwas Weiches unter ihren Fingnern. Langsam, ganz langsam, wurden, die Geräusche lauter, lauter, lauter, immerauter... LAUTER... Eine Welle schwappte ihr ins Gesicht.
Ein plötzlicher kalter, feuchter Schlag und sie starrte in das besorgte Gesicht ihres Onkels.
 
"Kind, du musst wahrlich schrecklich geträumt haben. Du hast die ganze Burg wach gebrüllt. Und jetzt... iss erst mal was... Und Zofen, bringt hier alles in Ordnung!"
 
Auf zittrigen Beinen geleitete man Kathi in die Küche. Schlafen würde sie vorerst... nicht mehr. Dessen war sie sich sicher.



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